Abgefahren

14.09.2024

Abgefahren. Abgefahren? Abgefahren!

Ich kann es kaum glauben. Ich bin wirklich abgefahren! Meine Reise hat begonnen. Kaum zu fassen... Echt abgefahren!

Genauer gesagt: Wir sind abgefahren. Am ersten Tag begleitet mich Sofia. Unser erstes Etappenziel ist „Hotel Mama&Papa“, mein Elternhaus. Ein bisschen Nestwärme zu Beginn kann nicht schaden. Bevor es aber von Bern in Richtung Aargau geht, machen wir noch einen kurzen Halt im Rosengarten – schliesslich möchte ich meiner geliebten Stadt Bern auch noch „lebe wohl“ sagen.

Fang nie an aufzuhören, hör nie auf anzufangen.
— Edith Stein

Im strahlenden Sonnenschein zeigt sich die Stadt Bern von ihrer besten Seite.

Danach stoppen wir beim Entsorgungshof Schermen, um herauszufinden, wie viel mein vollgepacktes Fahrrad wiegt. Am Vorabend brachte es Sofia tatsächlich nicht zustande, es hochzuheben, so schwer war es. Und auch mir gelang dies nur mit Mühe. Ich hatte also keine Ahnung, ob ich es überhaupt schaffen würde, mehr als 20 Kilometer am Stück mit diesem Ding zu fahren. Eine Probefahrt mit Vollgepäck wäre definitiv nervenschonender gewesen. „Geht nicht. Die Waage zeigt erst ab 100 Kilogramm an“, meinte der Entsorgungsmitarbeiter. Erst als mich Sofia darauf aufmerksam machte, realisierte ich, dass ich mit Fahrrad und Gepäck sicherlich über 100 Kilogramm wiege. Bei nochmaligem Nachfragen war der Chef zugegen und bedeutete mir, nach hinten zu kommen.

Stolze 131 kg – mein Kampfgewicht mitsamt Fahrrad und Gepäck!

Die ersten Kilometer fühlten sich trotz des Gewichts ganz okay an. Ich war erleichtert – das erste Etappenziel schien machbar.

Zusätzliche Motivation gaben uns Fans an der Strasse.

Wenige Kilometer ausserhalb von Bern dann gleich ein Wasserdichte-Test für meine Taschen in Form von Regen (Sofia hatte ihre noch nicht dabei). Zum Glück hält er nicht lange an und zwischendurch zeigt sich an diesem ersten Tag immer wieder kurz die Sonne.

Mit einigen Emmentaler Höhenmetern in den Beinen und etwas kalten Fingern gönnen wir uns in Huttwil eine Kalorienpause. „Kapstadt“, sage ich auf die Frage der Kellnerin im Restaurant, wohin die Reise gehe. Sie hält es für einen Scherz – bis ich ihr einen Flyer mit der geplanten Route unter die Nase halte.

In Sempach gibt es dann völlig überraschend einen herzlichen Empfang. Scheint sich herumgesprochen zu haben, mein Abfahren.

Gefühlt das ganze Dorf hat sich versammelt, um uns eine gute Reise zu wünschen.

Gegen Abend, kurz vor dem Ziel, zeigt sich die Alpenfront im rötlichen Licht der untergehenden Sonne. Schnee ist zu sehen. Es erinnert mich daran, was mir in den nächsten Tagen bevorsteht: Die Alpen zu überqueren, um in den Süden zu gelangen. Laut Plan sollte ich in wenigen Tagen auf fast 3000 Metern über Meer sein. Doch dieser imposante Anblick löst vor allem Glücksgefühle aus. Es ist der perfekte Moment, um meiner Drohne ein erstes Mal etwas „Auslauf“ zu geben.

Wir schaffen die Etappe wie geplant – ziemlich sportlich für den ersten Tag: 103 km und 1120 Höhenmeter. Die Ankunft bei meiner Familie ist frenetisch und voller Freude. Körperlich und mental gestärkt kann ich mich am nächsten Tag auf den weiteren Weg machen. Sofia nimmt nach wenigen Kilometern den Zug zurück nach Bern.

Ab jetzt bin ich auf mich allein gestellt.

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