Krokodile

Das Krokodil ist nur stark, wenn es im Wasser ist.
— Sprichwort aus Angola

23.01.2025

Alfred, ein Campingmitarbeiter, überredet uns, an der Grenze des nahegelegenen Kibale-Nationalparks eine kleine geführte Wanderung in einem Sumpfgebiet zu unternehmen. Manchmal könne man da sogar Schimpansen beobachten, ohne die hohe Parkgebühr zu bezahlen. Wir vereinbaren den Preis und unser Strippenzieher organisiert einen befreundeten Guide, sowie ein hier sogenanntes "boda-boda", ein Motorrad, das uns dahinbringen soll.

Als dieses aufkreuzt erleben wir zweierlei Überraschungen:

Einerseits soll diese Fahrt nicht im vereinbarten Preis inbegriffen sein. Wir sind kurz davor, den Ausflug abzublasen, einigen uns dann zähneknirschend aber doch noch auf ein Aufteilen der Kosten.

Andererseits steigt Alfred plötzlich mit auf das Gefährt, möchte völlig unerwartet mitkommen. So sind wir nun zu viert auf einem Motorrad. Was in Afrika nichts völlig Aussergewöhnliches ist, ist für uns doch sehr gewöhnungsbedürftig. Der Fahrer sitzt zuvorderst auf der Motorhaube, während Alfred zuhinterst gerade noch knapp auf dem Gestänge sitzt. Wir dazwischen im Sandwich, zusammengepfercht wie Sardinen in einer Büchse. Nur, dass unsere "Büchse" ab und zu ziemlich rumpelt und uns fast herunterwirft. Und unsere Distanzzonen arg verletzt werden. Doch damit nicht genug: Die Fahrt gleicht einem Seiltanz über Krokodilbecken; fahren wir doch Pavianen vorbei, die uns ziemlich grimmig beäugen.

Auch wenn wir auch bei der Wanderung einige Affen sehen, allerdings keine Schimpansen, ist sie nicht halb so spektakulär wie ihre Anfahrt. Schön ist sie trotzdem.

Und beim Überschreiten des Stegs mit teilweise fehlenden Latten kommt dann gar doch auch noch so etwas wie Nervenkitzel auf.

Hungrige Krokodile können wir uns im Sumpf unter uns ja einfach vorstellen.

Die Rückfahrt überstehen wir mit Müh und Not.

Am nächsten Tag geht es weiter in Richtung Kasese.

Bald kommt ein erster steiler Aufstieg. Und da begegnet uns bereits das nächste "Krokodil".

Ein sichtlich angetrunkener Mann mit Machete in der einen und Pet-Flasche mit Schnaps in der anderen Hand möchte uns von seinem Hochprozentigen anbieten. Wir lehnen dankend ab. Daraufhin möchte er sein Gesöff plötzlich gegen unsere Wasserflasche eintauschen. Dies gibt er uns allerdings eher als Aufforderung denn als Frage zu verstehen.

Wir versuchen möglichst freundlich und bestimmt abzulehnen, was ihn jedoch alles andere als besänftigt. Seine Stimme wird aggressiver, die Machete in seiner Hand wirkt plötzlich noch viel bedrohlicher. Wie ein übergrosser Krokodilszahn, bereit jederzeit zuzubeissen. Rasch davon kommen wir hier im Aufstieg nicht, es sei denn wir kehren um. Schnellstmöglichen Schrittes marschieren wir bergauf. Er folgt uns. Einige Schritte jedenfalls, dann ist es ihm offenbar zu mühselig.

Wir atmen durch. Diesem Typen weinen wir jedenfalls keine Krokodilstränen nach.

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